Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf vorbekannte psychische Störungen: Kartierung psychosozialer Bedarfe

Forschungsgruppe der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Die anhaltende Covid-19-Pandemie ist für die Allgemeinbevölkerung eine enorme Herausforderung und stellt eine psychosoziale Belastung infolge der Einschränkungen des beruflichen, privaten und gesellschaftlichen Lebens dar. Zu den psychischen Folgen zählen häufig Sorgen, Ängste (gesundheitliche, finanzielle etc.), Veränderungen der Stimmung und Veränderungen der Lebensgewohnheiten.

Bewältigungsstrategien (sog. Coping-Strategien) ermöglichen es den Menschen, mit Stressoren unterschiedlicher Art umzugehen. Diese Fähigkeiten ermöglichen es uns, sich erfolgreich mit Problemsituationen, anhaltenden Stressfaktoren oder mit emotionalen Belastungen auseinanderzusetzen. Coping-Strategien beeinflussen somit die sog. Resilienz, d.h. die Widerstandsfähigkeit eines Menschen. Fehlen diese und sind diese ungünstig, können Symptome einer Anpassungsstörung resultieren.

Aufgrund eines reduzierten Funktionsniveaus und eines eingeschränkten Spektrums an Bewältigungsstrategien sind Patient*innen mit psychischen Erkrankungen besonders vulnerabel für Stresserleben und können mit Symptomverschlechterungen, Rezidiven oder Rückfällen reagieren. Dadurch können diese Patient*innen im Rahmen der Covid-19-Pandemie zu einer psychiatrischen Risikogruppe mit besonderem Behandlungsbedarf gezählt werden.

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der UMG hat bereits im Frühjahr 2020 begonnen, mit Hilfe des neu entwickelten Göttinger Belastungs- und Symptominventars (Gö-BSI) psychosoziale Belastung, Symptome einer Anpassungsstörung, weitere allgemeinpsychiatrische Symptome und Resilienzfaktoren im Verlauf zu erfassen.

Was untersucht die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie?

In einer themenübergreifenden Forschungsgruppe zu diesem aktuellen Thema wird unter Federführung von PD Dr. Claus Wolff-Menzler, Dr. Claudia Bartels und PD Dr. Michael Belz in diesem Teilprojekt des nationalen Forschungsnetzwerkes der Universitätsmedizin zu Covid-19 (NUM EviPan) die Hypothese überprüft, dass psychosoziale Belastung und psychiatrische Symptome im Gefolge des Pandemiegeschehens und damit verbundenen Maßnahmen (Kontaktbeschränkungen, Hygienevorgaben, Einschränkungen des gesellschaftlichen, privaten und beruflichen Lebens) einem charakteristischem Verlauf mit Be- und Entlastung folgen.

Zum ersten Erhebungszeitpunkt wurden im April/Mai 2020 insgesamt 213 Patient*innen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen in einem Telefoninterview mit dem Gö-BSI retrospektiv zum Befinden zu Beginn der Pandemie und zum aktuellen Gesundheitszustand befragt. Zum Ende des Jahres 2020 fand ein zweiter Erhebungszeitpunkt statt, um den Langzeitverlauf der psychosozialen Belastung der Befragten unter Pandemie-Bedingungen zu erfassen.

Neben Patient*innen mit psychischen Erkrankungen werden als Referenzgruppe deren Angehörige befragt. Weitere Erhebungen in Abhängigkeit des Pandemiegeschehens zur Charakterisierung von Langzeitverläufen sind geplant.

Ziel des Projekts

Das Ziel des Projekts ist die Kartierung individueller psychosozialer Bedarfe im Pandemiefall. Dazu sollen Risikogruppen mit ungünstigen Verläufen identifiziert werden, aus den Daten Präventionsstrategien und Interventionsmöglichkeiten abgeleitet und konzeptualisiert sowie Strukturen zur effizienten Behandlungszuweisung entwickelt werden.

Publikationen

  • Bartels C, Hessmann P, Schmidt U, Vogelgsang J, Ruhleder M, Kratzenberg A, Treptow M, Reh-Bergen T, Abdel-Hamid M, Heß L, Meiser M, Signerski-Krieger J, Radenbach K, Schott BH, Wiltfang J, Wolff-Menzler C, Belz M (2021). Medium-term and peri-lockdown course of psychosocial burden during the ongoing Covid-19 pandemic: A longitudinal study on patients with pre-existing disorders. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience. Under review.
  • Belz M, Hessmann P, Vogelgsang J, Schmidt U, Ruhleder M, Signerski-Krieger J, Radenbach K, Trost S, Schott BH, Wiltfang J, Wolff-Menzler C, Bartels C (2021). Evolution of Psychosocial Burden and Psychiatric Symptoms in Patients with Psychiatric Disorders during the Covid-19 Pandemic. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience. doi: 10.1007/s00406-021-01268-6.
  • Misamer M, Signerski-Krieger J, Bartels C, Belz M (2021). Internal locus of control and sense of coherence decrease during the COVID-19 pandemic: A survey of students and professionals in social work. Frontiers in Sociology, 6, doi: 10.3389/fsoc.2021.705809.
  • Methfessel I, Besse M, Belz M, Zilles-Wegner D. (2021). Effectiveness of maintenance electroconvulsive therapy—Evidence from modifications due to the COVID‐19 pandemic. Acta Psychiatrica Scandinavica. doi: 10.1111/acps.13314.
  • Bohlken J, Kostev K, Bartels C, Wiltfang J, Broschmann D, Lemke M, Lempert T, Michalowski B, Riedel-Heller S (2021). Covid-19-Pandemie: Angsterleben von niedergelassenen und Krankenhaus-Psychiatern. Fortschr Neurol Psychiatr. doi: 10.1055/a-1562-1893.

Förderung

Das EViPan Unimed-Projekt „Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf vorbekannte psychische Störungen: Kartierung psychosozialer Bedarfe“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF; #01KX2021).

Kontakt

Leitung

Stellvertretender Direktor

PD Dr. Claus Wolff-Menzler, MA

PD Dr. Claus Wolff-Menzler, MA

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Sekretariat

  • Publikationen (PubMed)

    Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

    Master of Arts (Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen)

Leitende Psychologin

PD Dr. Claudia Bartels (Dipl.-Psych.)

PD Dr. Claudia Bartels (Dipl.-Psych.)

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Sekretariat

Psychologe

PD Dr. Michael Belz (Dipl.-Psych.)

In wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit:
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Dr. Ulrike Schmidt

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    • Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
    • Zertifizierte Traumapsychotherapeutin (DeGPT)

    Externe Zuordnung

    • Stellvertretende Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bonn
Wissenschaftlicher Mitarbeiter

PD Dr. Jonathan Vogelgsang

Psychologin

Dr. Mirjana Ruhleder (Dipl.-Psych.)

Dr. Mirjana Ruhleder (Dipl.-Psych.)

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    • Psychologische Psychotherapeutin, VT
    • Supervisorin (IFT)
    • Zertifizierte Traumapsychotherapeutin (DeGPT)

Mitarbeiter*innen

Psychologin

PD Dr. Mona Abdel-Hamid (Dipl.-Psych.)

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Psychologin

Luisa Heß (M. Sc. Psych.)

 Luisa Heß (M. Sc. Psych.)

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Projektkoordination

Alexander Kratzenberg, M. Sc.

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Psychologin

Thorgund Reh-Bergen (Dipl.-Psych.)

 Thorgund Reh-Bergen (Dipl.-Psych.)

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  • Psychologische Psychotherapeutin, VT

Psychologin

Marit Treptow (M. Sc. Psych.)

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